03.08.10

Bolz - eine langue mélangée in der Basse-Ville von Fribourg

Bolz ist eine in der Fribourger Basse-Ville gesprochene Variante des höchstalemannischen Senseler Dialekts, die sich durch viele französische Einflüsse auszeichnet. Gleichzeitig existiert eine französischsprachige Variante des Bolz, die gekennzeichnet ist durch deutschsprachige Dialekteinflüsse. Es gibt nur noch ganz wenige SprecherInnen des Bolz, einige Hundert vielleicht. Fränzi Kern ist eine davon. 1946 geboren, war sie unter den ersten Kindern der Fribourger Basse-Ville, welche eine deutschsprachige Klasse besuchten. Dennoch wurde sie, wie auch die meisten anderen deutschsprachigen Kinder in Fribourg zu dieser Zeit, parfaitement Bilingue. Trotzdem meint sie, dass die Fribourger mit der Einführung deutscher Klassen eine Chance zur Kohäsion verpasst hätten. Denn statt die Leute zu verbinden, schuf man so zwei Blöcke. Selber mit einem Welschen verheiratet, rechnet sie sich keinem der zwei Blöcke zu. Sie versucht eher zu verbinden, etwa so, wie das Bolz Deutsch und Französisch verbindet.
Nach ihrer Schulzeit ging die Freiburgerin nach Zürich für ihre Lehrerausbildung. Zu ihrem Erstaunen wurde ihr Senslerdeutsch dort oft nicht verstanden. Man habe ihr gesagt, ob sie denn nicht verständlich sprechen könne. Damals passte sie ihre Sprache noch an aber heute ist sie etwas provokativer und lässt sich nicht beirren, wenn Leute ihren Dialekt nicht auf Anhieb verstehen. Bolz spricht sie aber nur noch mit ganz wenigen, meist in der Familie.
Doch allen anderen erzählt die Altstadtfreiburgerin gerne über ihre besondere Sprache. Anfangs war sie ein wenig erstaunt über das grosse Interesse. Für sie war das Bolz etwas ganz Natürliches. Ihre erste Geschichte, „De Foppalmatsch“ (der Fussballmatch), schrieb sie denn auch erst auf Anregung eines Bekannten. „Als das Interesse dann noch grösser wurde, musste ich mir etwas ausdenken“, erzählt die Bolzin. Aus einer Geschichte wurden mehrere, und am Ende reichte es für ein ganzes Buch: „Üsa Faanen isch es Drapùu“. Während die Joggeli-Geschichten an Erlebnisse mit ihrem Göttibub angelehnt sind, hat sie sich andere komplett selber ausgedacht.
Fränzi schreibt, wie sie sagt, ihre Geschichten nicht aus Nostalgie oder zum Erhalt der Sprache, sondern einfach zur Unterhaltung. Und daher sagt sie auch über das Bolz ohne Wehmut: „un jour c’est fini.“

Jonas und Bettina

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