09/06/2010

Bis zu 35% mehr Lohn mit Sprachkenntnissen


Sonia Arnal hat im Matin Dimanche vom 22. Mai 2010 eine Studie der Uni Genf über den Zusammenhang zwischen Fremdsprachenkenntnissen und Höhe des Lohns vorgestellt: Demnach verdienen Romands mit sehr guten Deutschkenntnissen bis zu 23% mehr als solche ohne Deutschkenntnisse. Sehr gute und gute Französischkenntnisse bringen in der Deutschschweiz bis zu 15% mehr Lohn, sehr gute Englischkenntnisse aber 25% mehr. Interessant ist, dass in der Romandie sehr gute Deutschkenntnisse zweimal mehr wert sind als nur gute Deutschkenntnisse, während in der Deutschschweiz kein lohnmässiger Unterschied zwischen guten und sehr guten Französischkenntnissen besteht. Nach den Autoren der Studie sei festzustellen, dass der Lohnvorteil aus Englischkenntnissen gegenüber demjenigen aus Französisch- und Deutschkenntnissen immer grösser wird. Aus der Entwicklung und der Tabelle (Quelle: Le Matin) kann man ableiten, für Deutschschweizer lohne es sich, sehr gute Englischkenntnisse zu erwerben und für einen Romand, sehr gute Deutschkenntnisse. Vom politischen Standpunkt her fällt auf, dass Deutsch in der Romandie einfach mehr ökonomisches Gewicht hat als Französisch in der Deutschschweiz. Das soll als Aufruf an die Deutschschweizer gelten, auch wirklich auf die anderen Sprachregionen zuzugehen und ihrer Situation Verständnis entgegenzubringen.
Französischkenntnisse sind trotzdem nach wie vor entscheidend, und - wie ich zeigen möchte - sogar entscheidender als Englisch wenn es nicht um den Lohn geht sondern darum, einen guten Job zu kriegen, der viele Bewerbungen anzieht. Klar, Englisch hat sich zu einer Grundbedingung für eine Bewerbung überhaupt entwickelt. Das heisst aber noch lange nicht, dass Zweit-, Dritt- und Viertsprachkenntnisse vernachlässigt werden sollen. Ganz im Gegenteil: Wenn einst alle Schweizer über gleiche Englischkenntnisse verfügen werden, so werden paradoxerweise die weiteren Fremdsprachen wieder zu ausschlaggebenden Kriterien in einem Umfeld mit starker Konkurrenz. Wie würden Sie es finden, als Tennisspieler das Grundlegendste - nur noch den Aufschlag - zu trainieren? Das Spiel kommt erst durch Vorhandensein von Backhand und Forehand zu Stande. Gewinnen werden Sie es mit einem geschnittenen Stopball. Mal einen Slice am Netz zu spielen oder zu sehen macht auch mehr Spass als nur Anschläge hinter das Netz.
Persönlich bedauere ich, dass die Studie nicht auf das Italienische eingeht: Diese Sprache hat nach wie vor - etwa im Gesundheits- und Bauwesen sowie in der Musik- und Kunstwelt - eine Bedeutung, erst recht in der Schweiz. Selbst zweisprachig aufgewachsen (D,F) hat der Autor dieser Zeilen seinen Job nur dank guten Italienischkenntnissen erhalten.

Bei der Studie handelt es sich um The Economics of the Multilingual Workplace von François Grin, Claudio Sfreddo und François Vaillancourt, publiziert bei Routledge 2010. Braucht jemand eine Übersetzung?

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