18/07/2008

Raffaello Ceschi


Bereits am Montag Abend schloss sich Raffaello Ceschi unserer Gruppe an und begleitete unser vorabendliches Schwimmen im See und das anschliessende Abendessen im wohlbekannten Schnellimbiss „Café des Arts“. Am darauf folgenden Dienstag Morgen durften wir ihn mit weiteren 60 Leuten im 14. Stockwerk des Bundesamtes für Statistik hautnah miterleben.

Raffaello Ceschi ist ein Mann mit einer warmen Ausstrahlung, viel italienischem Charme, einem enormen Wissen und grosser Bescheidenheit. Als Historiker lebt er heute in Bellinzona, seiner Geburtsstadt. In Bern studierte er Geschichte und italienische Literatur. Weshalb in Bern? „Ein guter Freund ging nach Bern, also wollte ich auch dorthin“, so Herr Ceschis einfache, aber plausible Antwort. Unter anderem war Raffaello Ceschi Direktor des Staatsarchivs vom Kanton Tessin, Professor an der Universität in Pavia und Vizepräsident der schweizerischen Kulturstiftung Pro Helvetia. Zu seinem Beruf meint er: „Ein Historiker befasst sich mit der Vergangenheit, um Distanz zur Gegenwart zu gewinnen“.

Sein Forschungsgebiet ist der Kanton Tessin mit all seinen Facetten und Farben. Er verfasste Werke über die Geschichte des Kantons Tessin, über Migrationsbewegungen, den ersten Tessiner Bundesrat und aktuell schreibt er an einem Werk über Kinderarbeit und organisierte Bettelei im 19. Jahrhundert.

Zur Beziehung des Tessins mit den anderen Regionen der Schweiz meint Herr Ceschi, dass zwischen dem Tessin und der Deutschschweiz eine engere Verbindung als zur Westschweiz bestehe. Dies begründet er mit den langjährigen Beziehungen zwischen diesen zwei Regionen.

Von der direkten Demokratie, wie sie heute in der Schweiz praktiziert wird, hält er nicht viel. Die direkte Demokratie genau so wie der Föderalismus stecke in einer Krise. Was dies für die Zukunft der Schweiz bedeute, wisse er nicht, das könne er nicht voraussagen. „Dies liegt in Ihren Händen. In den Händen Ihrer Generation.“ Naja, da wurde uns wohl eben eine ziemlich grosse Verantwortung aufgebunden, liebe Mitstreiterinnen.

Herr Raffaello Ceschi hinterlässt einen lebendigen Eindruck nach einem beeindruckenden und höchst interessanten Morgen!

Lea Furrer

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